21.02.2012 5000 Schritte am Tag sind zu wenige für Diabetiker!

Studie: Je schwerer die Symptome, desto weniger bewegen sich Diabetiker mit Nervenerkrankungen.

Eine Studie von Sportmedizinern der Uni Münster ergab: Patienten mit peripherer Neuropathie bewegen sich viel zu wenig. Betroffene beschreiben die Nervenerkrankung als Kribbeln, Stechen oder taubes Gefühl in den Füßen.

10 bis 20 Prozent aller Diabetiker betroffen
Von einer peripheren Neuropathie sind zwischen 10 und 20 Prozent aller Diabetiker betroffen. Die Ursache: Durch den dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel werden die Empfindungsnerven geschädigt. Bewegung ist bekanntlich ein ideales Mittel, um Glukose im Blut abzubauen. „Doch je schwerer ihre Symptome sind, desto inaktiver werden die Patienten“, bedauert Prof. Dr. Klaus Völker, Direktor des Instituts für Sportmedizin der Universität Münster. Seine Feststellung beruht auf einer kürzlich an dem Institut abgeschlossenen Untersuchung.

73 Testpersonen
In Zusammenarbeit mit einer diabetologischen Schwerpunktpraxis führten die Wissenschaftler eine Studie mit insgesamt 73 Testpersonen durch. Die Hälfte davon litt an einer mehr oder weniger starken peripheren diabetischen Neuropathie. Der Schweregrad der Erkrankung wurde mit einem standardisierten Test gemessen: Dabei üben die Wissenschaftler mit verschiedenen, immer dünneren Nylonfäden an bestimmten Stellen des Fußes so weit Druck aus, bis der starre Faden sich biegt. Abhängig davon, welche Fadenstärke der Patient noch spürt, kann bestimmt werden, ob bei ihm die Erkrankung leicht, mittelschwer oder bereits schwer ausgeprägt ist.

Nylonfaden und Kraftmessplatte
Als weiteres diagnostisches Instrument kam eine Kraftmessplatte zum Einsatz. Während der Patient auf ihr steht, werden seine Bewegungsschwankungen aufgezeichnet. „Eine schwere Neuropathie beeinträchtigt zugleich den Gleichgewichtssinn. Dadurch erhöht sich die Sturzgefahr“, warnt der Sportmediziner. Anschließend erhielten alle Teilnehmer einen Schrittzähler, mit dem eine Woche lang ihre Alltagsaktivität gemessen wurde.

Mit Neuropathie 2 Drittel des Tages völlig inaktiv
Das Ergebnis: „Die Patienten mit schwerer Neuropathie waren fast zwei Drittel des Tages völlig inaktiv. Beim Rest der Zeit maßen wir eine nur leichte Aktivität“, berichtet Prof. Völker. „Die Betroffenen sitzen zu viel. Dabei geht es nicht um sportliche Höchstleistungen, sondern zunächst einmal darum, die Bewegungsangebote, die der Alltag bietet, auch zu nutzen.“ Also: öfter spaziergehen und den Aufzug links liegen lassen. Die gemessenen 5.000 Schritte am Tag seien zu wenig, betont der Experte.

7.500 bis 10.000 Schritte am Tag!
Zwischen 7.500 und 10.000 sollten es auf jeden Fall sein. Völker empfiehlt Diabetikern darüber hinaus das Walken oder Schwimmen in einer Gruppe, aber auch ein moderates Krafttraining gehe in Ordnung. Da Diabetes mit einer erhöhten Gefährdung des Herz-Kreislauf-Systems einhergeht, sollten die Patienten jedoch keinesfalls ohne vorherige ärztliche Untersuchung und Beratung mit dem Training beginnen.

Spezielle Sportkurse für Diabetiker
„In speziellen Diabetes-Sportgruppen werden zudem die sensomotorischen Fähigkeiten trainiert. So dienen Übungen zum Ertasten von verschiedenen Untergründen dazu, den Gleichgewichtssinn zu schulen. Dadurch wird die Sturzgefahr vermindert“, so der Sportmediziner. In Münster bieten Vereine wie der „Verein für Gesundheitssport und Sporttherapie“ spezielle Sportkurse für Diabetiker an; Auskunft erteilt auch der Stadtsportbund.

(Quelle: Westfälische Wilhelms-Universität Münster/idw.)

Jetzt bookmarken:del.icio.usMister Wongoneviewgoogle.comYahooMyWebWebnewsYiggItLinkaARENAlive.comMa.gnolia

Zukunftsinitiative Diabetes

Sechs Mainzer Institutionen und Firmen bilden zusammen die „Zukunftsinitiative Diabetes“.

Podcast – Fortbildung zum Anhören

Diabetes-Bücher im Kirchheim-Shop

Diabetes-Lexikon